Medium Magazin 03/2017

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Unsere Geschichten auf einen Blick
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EDITORIAL / Annette Milz, Chefredakteurin

Haltung für den Alltag

Die Frage nach der Haltung ist fast so alt wie der Journalismus selbst. Trotzdem müssen wir sie uns immer wieder stellen. Die jungen Kollegen fordern zeitgemäße Antworten ein. Zu Recht.

Nichts ist mehr sicher in diesen Zeiten. Aber seien wir ehrlich: Es sind – trotz allem oder gerade auch deswegen – gute Zeiten für den Journalismus. Denn sie erzwingen Diskussionen über unseren eigenen Berufsstand, die nicht mehr in den üblichen Festtagsreden und Podiumsdebatten versanden.

Dafür sorgen schon, zum Glück, die jungen Kolleginnen und Kollegen, die die alten zwingen, Farbe zu bekennen. Wofür stehst du? Wie schaffen wir es, wieder als glaubwürdig wahrgenommen zu werden? Wie erreichen wir noch ein breites Publikum mit Qualitätsjournalismus? Und die Grundsatzfrage: Was ist das überhaupt heute, Haltung im Journalismus?

Als wir im November 2016 zur 1. „Top 30 bis 30“-Konferenz nach Frankfurt einluden, haben solche Fragen viele Diskussionen unter den Teilnehmern geprägt.

Wir haben den Ball aufgenommen und spielen ihn in dieser Ausgabe weiter – an Giovanni di Lorenzo. Als Chefredakteur der „Zeit“ ist er einer der erfolgreichsten dieser Zeiten, die Auflage der „Zeit“ steigt stetig, gegen den Trend und Katzenjammer in der Branche. Ihn treibt seit vielen Jahren die Frage nach Werten, nach richtigen und falschen Bekenntnissen im Journalismus um. Und offenbar gibt es viele, die gerne Antworten von ihm erfahren möchten: Sein Buch mit Co-Autor Axel Hacke „Wofür stehst du?“ ist ein Bestseller, die Zeit-Online-Twitteraktion #fragGiovanni lief im Frühjahr bereits zum fünften Mal, mit reger Beteiligung.

Also haben wir zum Interview mit di Lorenzo diesmal auch Fragen aus der „Top 30“-Community mitgenommen. Es wurde ein spannendes Experiment (Seite 14).

Zugleich haben wir eine junge Kollegin und einen jungen Kollegen gebeten, ihre eigene Sicht auf das Thema Haltung zu schildern.

Jessica Schober, mit ihrer Aktion „Wortwalz“ bekannt geworden, schildert eindringlich ihre Überlegungen, warum sie nun erneut eine Aktion gestartet hat – die „Newscomer“ – und wie sehr sie nach Antworten ringt auf die Frage: Wie weit darf Engagement im Journalismus gehen? (Seite 22.)

Daniel Drepper wiederum, seit 1. April Chefredakteur von Buzzfeed Deutschland und Jahrgang 2012 unserer „Top 30 bis 30“, stellt sich die Frage nach der Haltung jetzt aus einer anderen Sicht als zuvor als Reporter bei Correctiv: Als Chefredakteur muss er nun auch für seine Redaktion Haltung definieren – und sie einfordern. Wie er das tut, lesen Sie auf Seite 25.

Mehr als nur ein PS: Haltung im Verborgenen zeigen seit vielen Jahren diejenigen, die ehrenamtlich im Verein „Journalisten helfen Journalisten“ in Not geratenen und verfolgten Kolleginnen und Kollegen helfen. In diesen Tagen ist das besonders nötig (s. Seite 97): Wer hätte noch vor Kurzem für möglich gehalten, dass so viele Journalisten in unserem Nach- barland Türkei bedroht, verfolgt, inhaftiert werden und unser aller Solidarität dringend bedürfen?

Auch, und leider immer noch Deniz Yücel. Der Korrespondent der Welt-Gruppe ist bei Redaktionsschluss Ende April immer noch in Haft in der Türkei und es sieht nicht danach aus, als würde sich das so schnell ändern.

Deshalb erst recht: #freedeniz. Es lebe das freie Wort!

 

Hier eine kostenlose Leseprobe: