Medium Magazin 01/2016

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Unsere Geschichten auf einen Blick
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EDITORIAL / Annette Milz, Chefredakteurin

Mut und Zuversicht

… trotz allem: Verzagen ob der Probleme in den Medien ist keine Option. Haltung und Tatkraft ist gefragt gegen alle Widerstände.

Das Jahr begann mit Dramatik und endet ebenso: Ukraine, Griechenland, Syrien, der Absturz der Germanwings-Maschine, das Flüchtlingsdrama, die Willkommenskultur und ihr Gegenteil – und als glutroter Faden durch das ganze Jahr gewoben: Das böse Wort von der „Lügenpresse“.

Zum Jahreswechsel 2014/2015 fokussierten sich die Angriffe noch auf die Berichterstattung rund um die Krimkrise und waren oft genug, besonders in den zahllosen Internetkommentaren, von zwielichtiger, manipulativer Herkunft. Inzwischen aber, so scheint es jedenfalls, hat das Misstrauen gegenüber Medien weite Kreise gezogen.

Das Unwohlsein über diese Situation spiegelt sich mehr denn je in der Wahl der diesjährigen „Journalisten des Jahres“ wider. Das symbolisiert besonders deutlich Anja Reschke, von der „medium magazin“-Jury zur „Journalistin des Jahres 2015“ gewählt, nicht allein, aber vor allem wegen ihrer deutlichen Worte in Sachen Hetze und Fremdenhass. Kein einzelner journalistischer Beitrag hat 2015 so viel Wirbel und Wirkung gezeigt wie ihr Kommentar in den „Tagesthemen“ vom 5. August, befand die Jury.

Und das, weil sie nicht nur kritisierte, sondern einforderte, was dieses Land dringend braucht: „Die Hassschreiber müssen kapieren, dass diese Gesellschaft das nicht toleriert. Wenn man also nicht der Meinung ist, dass alle Flüchtlinge Schmarotzer sind, die verjagt, verbrannt oder vergast werden sollten, dann sollte man das ganz deutlich kundtun. Dagegenhalten, Mund aufmachen. Haltung zeigen, öffentlich an den Pranger stellen: Einige sehr verdienstvolle Blogs tun das schon. Aber es sind noch zu wenige. Der letzte Aufstand der Anständigen ist 15 Jahre her. Ich glaube, es ist mal wieder Zeit.“

Sie hat, leider, recht. Nach wie vor. Dennoch, wir würden es uns zu einfach machen, wenn wir alle unsere eigene Haltung und Arbeit in diesem Jahr nicht auch selbstkritisch hinterfragen würden. Anlass dafür gibt es reichlich. Wir haben deshalb für diese Jahreswechsel-Ausgabe schwerpunktmäßig Praktiker aus Redaktionen gebeten, uns ihren Blick auf die Entwicklungen zu schildern – auf die externen ebenso wie auf die intern redaktionellen. Und natürlich, nicht zu vergessen, auf die Lage der freien Kollegen und Kolleginnen.

Keine Frage, die Zeiten sind hart. Dennoch: „Wollen wir die nächsten Jahre klagend und hadernd verbringen? Ich finde, wir sind es unserem Beruf, dem Journalismus schuldig, dagegenzuhalten“, sagt Julia Friedrichs in ihrem bemerkenswerten Beitrag „Mut wagen“ (Seite 36). „Aufgeben. Aufstecken. Aufhören zu hoffen ist keine Alternative. Ich glaube, dass es sich lohnt, Mut zu wagen. Wenn man aus einer klaren Haltung heraus über die Flügel kommt, ist alles möglich. Wenn man Neues versucht. Wenn man andere Wege geht. Dann wird man gewinnen. Nicht sofort. Aber irgendwann schon.“

P.S.: Aus gegebenem Anlass – der Frauenanteil bei den „Journalisten des Jahres“ lässt durchaus zu wünschen übrig – wünschen wir uns übrigens speziell von Kolleginnen mehr Mut: Mehr Frauen in Führungspositionen zu fordern reicht nicht. Machen, Verantwortung übernehmen und bereit sein, die hässlichen und lästigen Seiten dieser Verantwortung zu tragen, gehört auch dazu. Ebenso das: Zeigt Flagge und Eure Leistungen. Wartet nicht darauf, dass es andere für Euch tun. In dieser Hinsicht können wir Journalistinnen noch eine Menge von den männlichen Kollegen lernen.


In eigener Sache:
Mit dieser Ausgabe starten wir in ein für uns ganz besonderes Jahr: 2016 wird „medium magazin“ 30 Jahre alt. Auf Seite 20 werfen wir einen Blick zurück auf die Eckpfeiler in der Entwicklung dieser drei Jahrzehnte. Aber weil wir seit jeher nichts davon halten, am Gestrigen zu kleben, schauen wir auf Seite 21 auch nach vorn und präsentieren Ihnen einen Blick hinter die Kulissen der „medium magazin“-Zukunftswerkstatt. Wir sind gespannt auf Ihre Reaktionen – und freuen uns darauf.